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Popmusic































09.05.2010 - 30.08.2010

Westwendischer Kunstverein
Zehntspeicher
29471 Gartow

collaboration with Dennis Graef, Elisabeth Stumpf & Walter Zurborg


popmusic, 2010
loudspeakers, light, rainbow drops

dimensions variable





























Pop Music
Eine Installation von Dennis Graef, Elisabeth Stumpf, Tamaki Watanabe und Walter Zurborg

In einer alten dunklen Scheune ist Seltsames passiert. Mitten in der hölzernen Halle wachsen farbige Objekte wie Stalaktiten von der Decke. Es sind Lampenschirme, die kopfüber hängen und sich futuristisch und märchenhaft zugleich über den großen Saal verteilen. Es ist ein sakrales, ja meditatives Bild, das der erleuchtete Zehntspeicher so abgibt.
Doch „Krawumm“! Jäh kehrt sich die friedliche Kontemplation in ihr Gegenteil – Schreck, intuitiver Fluchtreflex ausgelöst von einer plötzlichen Explosion. Der ersten folgt die Zweite, die Dritte, … – in unregelmäßigen Abständen, teils von minutenlangen Pausen unterbrochen, niemals voraussehbar. Sind es Schüsse oder Bomben, die die Stille stören und diese Scheune abrupt in einen akustischen Kriegsschauplatz verwandeln? Der Geist ist zu träge, den Ursprung des Geräuschs zu verorten. Kaum aufgeklungen, schon vergangen. Die Quelle scheint immer eine andere zu sein.
Der Betrachter wird zum Partizipienten. Hilflos, aber voller Neugier steht er mitten in einem polyphonen Panorama und ist gewillt, die Ursache zu finden. Die Hierarchie von Sehen und Hören hat sich umgekehrt. Das Ohr leitet den Blick. Instinkthaft folgt der Körper jeder letzten Explosion und irrt durch den Raum, das Auge dem Vergangenen nachjagend, stets einen Sekundenbruchteil zu spät. Nur der Zufall oder Geduld erlauben es, den Mechanismus der Installation zu enttarnen.
Die ruckartigen Klänge kommen aus den Lampen selbst, die jeweils am unteren Ende mit einem Lautsprecher verschlossen sind. Die Membran der Allroundspeaker, auf der sich eine Handvoll Puffreis befindet, wird durch einen elektronischen Impuls so sehr in Schwingung gebracht, dass die kleinen Reisbälle mit einem lauten Knall in die Luft geschleudert werden. Im Inneren der Lichtkörper passiert gleichsam ein zartes Schattenspiel, das im Stande ist, die Wucht der lärmenden Erschütterung zu brechen und die infantilen Schrecken von eingebildeten Ängsten zu entzaubern – mit der Leichtigkeit und Schönheit der Silhouette im farbigen Licht.

Sarah Frost